• Julie

Grenzenlos Grenzen spüren.



Oft sprechen wir davon, dass Grenzen überschritten werden müssen, um an neuen Erfahrungen zu wachsen. Dem stimme ich zu. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass uns Grenzen auch schützen und es daher wichtig ist, sie zu spüren und zu respektieren.


Ich habe die letzten 3 Wochen zurückgezogen und in großem Abstand zur Medienwelt verbracht, was mir total gut tat. Ich habe mich das erste mal nach langer Zeit wieder so richtig selber gespürt, mich in meinen persönlichen Grenzen ganz erlebt und meinem eigenen Flow hingegeben. Das tat unglaublich gut, mich so klar vom Außen trennen zu können, um ganz bei mir und meiner Wahrheit anzukommen.


Seit vergangenem Montag nun dürfen wir wieder weitläufig reisen. Die Ruhe und Einsamkeit ist für mich auf Fehmarn damit vorbei. Der Verkehr nimmt zu, die Vögel und andere Tiere ziehen sich wieder zurück und alles wird wieder schnelllebiger und lauter.


Als ich am Dienstag in der Stadt war, überrolte es mich: Da war wieder der schnelle Herzschlag, innere Unruhe machte sich breit und ich spürte den Drang ganz schnell weg zu wollen. Mein Nervensystem war mit den Eindrücken von außen völlig überfordert. Meine eigenen Grenzen lösten sich auf. Ich war dabei mich zu verlieren.


Wieder zu hause angekommen, begann ich in meinen Körper hineinzuspüren, meinen Atem auszudehnen und mich selbst zu berühren. Der Kontakt auf meiner Haut erinnerte mich daran, dass ich noch da bin, dass ich meine Grenze habe, die mich beschützt und ich "ganz" bin. Zudem beruhigte die Berührung mein Nervensystem.


Unsere Haut ist das größte Organ unseres Körpers, sie hat ungefähr die Fläche von einer Yogamatte und wiegt ca. 15% unseres Körpergewichts. Sie hält nicht nur unseren Körper zusammen, sondern grenzt uns auch von der Außenwelt ab. Sie schützt uns somit vor Fremdeinwirkungen, gleichzeitig aber können wir über sie erfahren, wie wir das Innere, was nicht nach außen soll, bei uns behalten.


Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass Gedanken, Gefühle und unser Gehirn mit großen Teilen unseres Körpersystem kommunizieren, dazu zählen das Immunsystem, das Nervensystem, das endokrine System und Organe, wie auch unsere Haut. Zudem produzieren diese Bereiche genau die Chemikalien, die unser Gehirn zum Denken braucht. Da kann man sich die Frage stellen:


Wo ist denn nun der Geist in unserem Körper angesiedelt?

Die Antwort lautet: im ganzen Körper und noch darüber hinaus.*


Energetisch betrachtet, verschwimmen daher unsere Grenzen mit der Außenwelt. Besonders sensible und feinfühlige Menschen fühlen sich oft durchlässig oder dünnhäutig.

Vielleicht kennst du selber solche Situationen, in denen im Außen einfach alles zu viel ist und dich die Eindrücke überrennen? Wenn dir etwas "unter die Haut" geht oder du aus deiner "Haut fährst"? Oft sagt man auch "die Haut ist der Spiegel der Seele."


Diese Redewendungen deuten auf das Wechselspiel zwischen Körper, Geist und Seele, und zeigen uns eine tolle Möglichkeit von und mit unserer Haut zu lernen. Das Hineinspüren in meine Haut und das Verkörpern dieser Grenze in meinen Seinszustand und meine Gefühlswelt ist aktuell meine tägliche Aufgabe geworden.


Ein paar Möglichkeiten, wie du im Alltag üben kannst, deine Grenzen über die Haut wahrzunehmen und diesen Zustand dann in deine Gefühlswelt zu übertragen, sind:

  • Spüre ganz bewusst, gern mit geschlossenen Augen, wie sich deine Kleidung anfühlt, oder der Untergrund, auf dem du sitzt/stehst.

  • Beachte beim Yoga, beim Joggen oder anderen Aktivitäten, wie sich die Luft auf deiner Haut bewegt und verändert.

  • Berühre und massiere dich ganz achtsam selbst, oder bitte deinen Partner.

  • Dusche abwechselnd warm und kalt und spüre in die unterschiedlichen Empfindungen hinein.

  • Nimm dir zwischendurch ein paar ganz tiefe Atemzüge, die deine Lungen ganz voll machen, so dass du deine Grenzen von innen heraus spürst.


Wenn du etwas mehr Zeit mitbringst, dann probiere die neue Körpermeditation unter den Freebies auf der Website aus. Je öfter du sie machst, desto leichter wird dir eine Abgrenzung gelingen und du kannst schwierige Situationen einfacher meistern.


Besonders jetzt, wo sich die Grenzen im Außen wieder verschieben, achte ganz besonders darauf, was dir gut tut und was sich in deinem Körper verändert, wenn dir etwas zu nahe geht. Sorge für dich und habe kein schlechtes Gewissen, dich zurückzuziehen und "Nein!" zur Außenwelt und damit "Ja!"zu deinem Inneren zu sagen und dies auch verkörpert zu fühlen.


Ich wünsche dir viel Freude beim Erforschen deiner Haut und die damit verbundenen Grenzen!


Happy Feeling!

Deine Julie



*Candace Pert, Moleküle der Gefühle, Körper, Geist und Emotionen

(Rowohlt, Reinbek 2001)


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